25.06.2015
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Bericht von Willi Goetz

500 Jahre Pfarrkirche St. Stephanus in Straßkirchen

Gotischer Bau 1513 abgeschlossen - Aus der Geschichte einer Kirche

In der vorderen südlichen Seitenwand der Pfarrkirche St. Stephanus in Straßkirchen liegt der Eingang zur Sakristei mit einem spätgotischen Türstock aus Stein. Der Sturz ruht auf Konsolen und trägt die Inschrift „1513“. Nachdem das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege den Kirchturm noch in das 14. Jahrhundert und die Kirche in das 15. Jahrhundert datiert, kann man wohl davon ausgehen, dass mit dem Anbau der Sakristei vor 500 Jahren der gotische Kirchenbau abgeschlossen wurde. Das Jubiläum von einem halben Jahrtausend soll Anlass für einen Rückblick in die Geschichte dieser Kirche sein, wobei es aus den ältesten Zeiten wenig Originalquellen gibt. Vor allem der Brand des Pfarrhofes beim Schwedeneinfall im Jahr 1633 hat den damaligen Urkundenbestand gänzlich vernichtet.

1513 vollendet Raffael seine Sixtinische Madonna, Dürer arbeitet an seinem Meisterstich „Ritter, Tod und Teufel“ und Michelangelo hat im Jahr zuvor die Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle fertiggestellt. In Rom baut man am Petersdom, der größten Kirche der damaligen Welt. Der Bau verschlingt Unsummen und zur Finanzierung blüht der Ablasshandel. Den nimmt Martin Luther 1517 unter anderem zum Anlass, an der Schlosskirche in Wittenberg seine 95 Thesen anzuschlagen. Die Neuzeit, deren Beginn mit der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 angesetzt werden kann, sieht sich gleich zu Beginn mit der Reformation konfrontiert. Deren schrecklichste Folge, der Dreißigjährige Krieg, führt gut hundert Jahre später auch zur weitgehenden Zerstörung Straßkirchens, wahrscheinlich nicht einschließlich der Kirche.

Den Ursprung der Kirche kann man eventuell noch vor der Gründung des Bistums Regensburg unter dem Agilolfingerherzog Odilo im Jahr 739 ansetzen. Anlass dazu geben die Ausgrabungen des bajuwarischen Reihengräberfeldes in den Jahren 1988 bis 1993 auf dem Gelände des ehemaligen Fußballplatzes. Auf dieser Anhöhe gegenüber dem heutigen Kirchenhügel könnte eventuell eine frühchristliche Kapelle des 6. Jahrhunderts gestanden haben. Dazu schreibt Dr. Hans Geisler in seinem Vorbericht über die Ausgrabungen: „…Bemerkenswert ist ein Befund im Westteil: Sechs Pfostengruben markieren den Umriß eines kleinen, rechteckigen Gebäudes, dessen Fläche von den Grabanlagen ausgespart wird…Der Holzbau existierte also zu einer Zeit, in der auf diesem Areal Bestattungen vorgenommen wurden, und stand folglich mit dem Friedhof bzw. dem Totenkult in funktionalem Zusammenhang. In Anlehnung an vergleichbare Befunde, insbesondere in München-Aubing…, könnte es sich bei dem Gebäude um eine Friedhofskapelle und damit um einen frühen Beleg für christliches Bestattungsbrauchtum handeln…“ (S. 278)

Bereits 1140 eindrucksvoller Kirchenbau

Wann der Umzug eines Kirchleins auf den heutigen Kirchenhügel genau erfolgte, könnte nur durch Ausgrabungen belegt werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stand die Urkirche der Pfarrei an der Stelle der Allerseelenkirche nördlich der Hauptkirche. Dabei könnte es sich ebenfalls zunächst um eine Holzkirche gehandelt haben, die dann später durch einen Steinbau ersetzt wurde. Spätestens im Jahr 1140 muss es einen markanten romanischen Bau gegeben haben, denn in diesem Jahr taucht der heutige Ortsname zum ersten Mal in einer Urkunde auf. Der alte Name des Ortes, ob keltisch oder bajuwarisch, war unter dem Eindruck der Kirche und Straße geändert und allmählich vergessen worden. Die gut lesbare, in Latein verfasste Urkunde, wird im Hauptstaatsarchiv in München aufbewahrt. Sie bestätigt, dass Bernhard von Lerchenfeld dem Kloster Prüfening zwei Höfe übertragen hat, einen in Piering und einen anderen in Tiefenbrunn. Dafür erhielt er vom Kloster Prüfening einen Hof in Haunpolding und einen Hof in Kröhstorf. Unter den Zeugen erscheint „Wernhart filius Ezzonis de strazchirchin“, also Wernhart, der Sohn des Ezzo von Straßkirchen.

Um 1180 beginnt man in Straubing mit dem Bau der romanischen Basilika St. Peter, während sich bereits seit der Mitte des 12. Jahrhunderts, ausgehend von Frankreich, die Gotik unaufhaltsam ausbreitet. Bis der neue Baustil Straßkirchen erreicht, vergehen nochmals gut 200 Jahre. Erst bei der Renovierung der Allerseelenkirche im Jahr 1979 wurde ein zugemauertes gotisches Fenster in der Nordwand entdeckt. Damit war die alte Überlieferung widerlegt, dass es sich bei dieser Kirche um einen Bau aus dem frühen 18. Jahrhundert handelt. Für das hohe Alter der Allerseelenkirche spricht neben dem gotischen Fenster und Türstock auch die Tatsache, dass bei ihrem Eingang fünf Stufen ins Kircheninnere hinunterführen. Ursprünglich war sie sicher ebenerdig angelegt und geriet erst durch den Schutt der Jahrhunderte immer tiefer.

Der älteste bisher bekannte Beleg für Straßkirchen als Pfarrdorf stammt aus dem 13. Jahrhundert. Dazu schreibt Klaus Rose im Historischen Atlas von Bayern, Teil Deggendorf: „Für das Bistum Regensburg gibt es ein Pfarreienverzeichnis aus dem Jahre 1286, in welchem Michaelsbuch, Plattling, Otzing, Wallersdorf, Straßkirchen und Irlbach bereits als Pfarrorte genannt sind; sie gehörten alle zum Dekanat Aiterhofen/Altenbuch“. Aus dem Jahr 1326 existiert ebenfalls ein Regensburger Pfarreienverzeichnis, in dem „Strazchirchen“ als Seelsorgestelle im Dekanat Aiterhofen aufgeführt wird, desgleichen 1350 als „Straskirchen“ (Paul Mai, VHVO 110, 1970, S.20).

Von besonderer Bedeutung für die jetzige Pfarrkirche ist eventuell der Eintrag im Kalendarium des Straubinger Zechsalbuches von 1375, da er in die Zeit des angenommenen Turmbaubeginns fällt und einen „Heinreich priester von Straschürchen“  belegt. Dr. Joseph Keim hat den Eintrag bereits 1959 im Jahresbericht des historischen Vereins veröffentlicht (S. 64): „Item Her Heinreich priester von straschürchen hat ein ymmer Almuesen mit Vigilij und selmezz und einem ieden Chapplan in des Hansen von Stainach Chappel 12 d umb vigilij und Selmesse  facit 46 d“. (Ebenso hat Herr Heinreich, Priester von Straßkirchen, ein immerwährendes Almosen für Vigil und Seelenmesse gegeben und einem jeden Kaplan bei der Kapelle des Hansen von Steinach für 12 Pfennige ein Vigil und eine Seelenmesse macht 46 Pfennige.)

Baubeginn noch im 14. Jahrhundert

Irgendwann im 14. Jahrhundert war das Gotteshaus offensichtlich zu klein und nur einige Meter weiter südlich wurde der Neubau einer großen Pfarrkirche mit dem Turm in Angriff genommen. Anregungen fand man vielleicht sogar durch den Bau des Stadtturms im nahen Straubing, mit dem 1316 begonnen wurde und der seit seinem Endausbau im 16. Jahrhundert um 17 Meter den Straßkirchner Kirchturm überragt. Durch das selbstständige Herzogtum Bayern-Straubing-Holland hatte sich in der Herzogsstadt eine rege Bautätigkeit entwickelt, in deren Folge nicht nur der Stadtturm, sondern auch das Herzogsschloss und das Karmelitenkloster einschließlich der Kirche entstanden. Warum die Straßkirchner ihre neue Kirche mit dem Turm begannen, lässt sich nur vermuten. Sicher war es der aufwändigste Bauteil, denn ein gewaltiges Fundament musste als Gegengewicht zum 50 Meter hohen Turm geschaffen werden. Sechseinhalb Meter beträgt die Seitenlänge seines quadratischen Grundrisses, die Mauern aus Granitbruchsteinen haben im Untergeschoß eine Stärke von fast zwei Metern. Vor über 600 Jahren ist der Bau eine handwerkliche Meisterleistung, wenn man an die anfallenden Aufgaben der Materialbeschaffung oder an die Probleme der Statik denkt. Ob der Turm jemals als Wehr- oder Wachtturm gedacht war, kann nur vermutet werden.

Ein Hinweis auf die Größe der Pfarrei findet sich für 1433  im Dekanatsverzeichnis der Diözese Regensburg, in dem für Straßkirchen zwei Geistliche angegeben werden, ein Pfarrvikar und ein Hilfspriester  („Pastor, Vicarius cum Socio divinorum“). Die Planung einer neuen Kirche hatte man zu der Zeit wahrscheinlich schon in Angriff genommen.

Baustil im 14. Jahrhundert war inzwischen auch bei uns die Gotik, deren Formen durch die Umgestaltung der Allerseelenkirche bereits bekannt waren, so zum Beispiel der Spitzbogen, mit dessen Hilfe man höher bauen konnte. Er hat sich in Straßkirchen in der Türe erhalten, die von der Sakristei in den Turm führt, außerdem in den Fenstern über der heutigen Kirchturmuhr. Gotische Kreuzrippen zur besseren Verteilung der Gewölbelasten finden sich in Resten im Turmuntergeschoß. Im Kirchenschiff wurden sie spätestens bei der Barockisierung der Anlage entfernt. Ein gotisches Epitaph aus dem Jahr 1363 dient heute als Altartisch in der Allerseelenkirche. Insgesamt lässt sich die hohe Qualität der gotischen Einrichtung des Gotteshauses in Straßkirchen an der Konsole eines Sakramentshauses erahnen, die sich heute im Gäubodenmuseum in Straubing befindet. Sie stammt aus der Zeit um 1470 und stellt das von zwei Engeln gehaltene Schweißtuch Christi und darunter eine Verkündigungsgruppe dar. Wie damals üblich, war sie ursprünglich farbig gefasst. Aus der Zeit des Jahres 1513, wahrscheinlich etwas später, könnte der ausdrucksstarke Christus am Kreuz an der Nordwand der Pfarrkirche stammen, während die Mater Dolorosa darunter eine Zutat vom Ende des 19. Jahrhunderts darstellt.

Insgesamt kann man sich für das Jahr 1513 ein beachtliches Gotteshaus vorstellen, mit einem für eine Dorfkirche gewaltigen Turm und mit hohen gotischen Kreuzrippengewölben im Kirchenschiff. Um dem gewünschten Eindruck eines himmlischen Jerusalems näher zu kommen, kann man auch von farbigen Glasfenstern in Spitzbögen ausgehen. Reste der Einrichtung bezeugen eine anspruchsvolle Ausstattung.

Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg?

Nur gut hundert Jahre später kam es zur Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648, in dem auch Straßkirchen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dazu finden sich bei Pfarrer Englhard im Pfarrbericht von 1830 folgende Zeilen (§ 2): „Da übrigens der Pfarrhof mit der Kirche und dem größten Theile des Dorfes beym ersten Einfalle der Schweden in Bayern im Jahre 1633 geplündert und abgebrannt wurden, gingen leider auch alle alten Schriften, Urkunden und Pfarrbücher im Rauche auf und verloren, so daß die letztern dermalen nicht weiter als bis auf das Jahr 1653 zurückreichen, von erstern aber gar nichts mehr vorgefunden oder wie immer sonst aufgezeichnet angetroffen, und somit weiter etwas auch nicht mehr berichtet werden kann“. Ab da vertreten auch alle weiteren Autoren die Meinung, dass die Pfarrkirche zerstört worden sei.  Allerdings hat sich im Diözesanarchiv Regensburg aus dem Jahr 1649, also 16 Jahre nach dem ersten verheerenden Schwedeneinfall, eine Pfarrbeschreibung des Pfarrers Johann Kugler mit folgender Überschrift erhalten: „Anbringen. Welches wegen der Pfarr Straskhürchen bei Ihr hochfrtl. Gn. (hochfürstliche Gnaden = Bischof) Zu Regenspurg durch Johann Kuglern Pfarrern zu Straskhürchen in dem auf dem 5. Julio angestelten Synodi beschechen (geschehen)“. Anscheinend wurde ein Jahr nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges auf einer Synode beschlossen, eine Bestandsaufnahme von allen Pfarreien einzufordern. Der Pfarrer berichtet, dass Straßkirchen eine Wechselpfarrei ist, bei der also die Besetzung mit Priestern im Wechsel von Landesherrn und Bischof vollzogen wird. Für den 1633 abgebrannten Pfarrhof wurde ein anderes Haus gekauft. Weil das Landgericht Natternberg den Zuschuss zur Renovierung nicht bezahlen will, wohnt der Pfarrer immer noch in einem „Strohäusl“ und muss den „Hauszins“ aus eigener Tasche bestreiten. Von einer Zerstörung der Pfarrkirche ist in diesem Schreiben keine Rede.

Pfarrer Kugler führt dann 1649 die drei Altäre der Pfarrkirche an, die dem hl. Stephan, der Mutter Gottes und der hl. Katharina (heute Nothelferaltar) geweiht sind. Weil sie vom „ersten Feind“ 1633 „prophaniert“ (entweiht) wurden, hat man ein „Altare Portatile“ (tragbarer Altar) angeschafft. Er zählt dann noch die vorhandenen Gegenstände auf, die zum Zelebrieren notwendig sind: drei Kelche, zwei silberne Opferkännchen mit Schalen, eine silberne Monstranz, ein silbernes Ziborium, eine silberne Chrisambüchse und verschiedene Paramente. Dazu kommen noch eine zerrissene Kirchenfahne und zwei kleine Fähnlein. Wahrscheinlich hatte man diese Dinge vor den Schweden in Sicherheit bringen und retten können. Es ist also durchaus auch möglich, dass die Pfarrkirche 1633 entweiht und eventuell auch beschädigt, aber nicht zerstört worden ist. Abgebrannt ist sicher der Pfarrhof mit allen alten Unterlagen. Visitationsprotokolle, die vor 1633 nach Regensburg geschickt worden waren, haben sich aus den Jahren 1508 und 1526 erhalten, ebenso Matrikel von 1600 . Sie werden heute im Diözesanarchiv in Regensburg aufbewahrt. Pfarrer Kugler gibt dann noch die Anzahl der Personen an, die in seiner Pfarrei den Dreißigjährigen Krieg überlebt haben: „Ehen 58, gefirmte Personen 47, ungefirmte Personen 197, Kommunikanten zu den österlichen Zeiten und beim Gottesdienst 244, Kinder 82“. Josef Bugl nennt in seiner Ortschronik für 1655 eine Personenzahl von 180 für die Gemeinde und eine Seelenzahl der Pfarrei von 340 (Seite 46).

Die mündliche und schriftliche Überlieferung der letzten 200 Jahre besagt, dass nach der Zerstörung der Hauptkirche bis zu deren Barockisierung die Allerseelenkirche als Notkirche gedient hat. Ob nicht doch in der eventuell kaum oder gar nicht beschädigten Pfarrkirche weiterhin Gottesdienste gefeiert werden konnten, ist bis jetzt nicht nachzuweisen. Spätestens während des Umbaus der Pfarrkirche St. Stephanus im 17. Jahrhundert diente die Allerseelenkirche zur Abhaltung der Gottesdienste.

Umgestaltung im Barock

Nach den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges sehnten sich die Menschen offensichtlich nach prächtigen Farben und Formen. Im harten Alltag der damaligen Zeit sollten wenigstens die Kirchen ein Abbild der Herrlichkeit Gottes darstellen. Der vormalige Baustil der Gotik war aus der Mode gekommen, Handwerker und Künstler schufen eine blühende bayrische Barocklandschaft.

Dazu führt Pfarrer Nikolaus Geiger in seiner Beschreibung der Pfarrei von 1860 Folgendes an (S.6): „Die gegenwärtige Kirche wurde erbaut in den Jahren von 1679 bis 1695, denn in diesen Jahren pastorierte hier Herr Pfarrer Wolfgang Steubl, wie ein alter vom Pflaster der Kirche herausgenommener Gedenkstein bezeugt, auf welchem es heißt: Ac magna ex parte Ecclesia parochialis aedificator. Es ist daraus zu entnehmen, daß der Bau der Kirche unter dem Vorfahrer angefangen, aber von ihm erst vollendet wurde. Es hindert nicht, da die Kirche schon 1633 abbrannte, daß sie erst nach beyläufig 50 Jahren wieder erbaut wurde, denn das öftere Erscheinen der Schweden und die Armuth der Leute machte einen früheren Bau unmöglich. Die Gottesdienste mögen in der kleinen aber älteren Kapelle gehalten worden sey (sic)“.

Der von Pfarrer Geiger angesprochene Gedenkstein ist nicht mehr erhalten. Vielleicht handelte es sich dabei sogar um die Markierung des Grabes von Pfarrer Steubl, das dieser ehrenhalber in der Kirche erhalten haben könnte. Die lateinische Inschrift sagt über ihn: „Und zu einem großen Teil Erbauer der Pfarrkirche“. Das kann nun heißen, dass bereits seine Vorgänger Pfarrer Adam Khininger oder Pfarrer Johann Kugler mit dem Wiederaufbau der zerstörten Kirche begonnen haben. Es könnte aber auch bedeuten, dass es sich um die aufwändige Barockisierung gehandelt hat, bei der die gotischen Gewölbe und Spitzbogenfenster entfernt wurden. 1997 wird übrigens vom Zentralarchiv nur angegeben „barockisiert 1685“ (Matrikel des Bistums Regensburg, 1997,  S. 693).

Die kommenden Jahrzehnte nützten die Straßkirchner, um ihr Gotteshaus prächtig auszugestalten, wobei es immer wieder auch zu Zwischenlösungen kommt. So befinden sich beispielsweise hinter den beiden jetzigen Seitenaltären in die Wand eingelassene gemauerte Altartische und hinter dem Marienaltar  eine frühbarocke Mauernische mit vergoldeter stuckierter Muschelwölbung. Beachtliche Stuckaturen der Wessobrunner Schule im Chorraum und der für eine Dorfkirche mächtige Hochalter beeindrucken noch heute. Leider wurden bis jetzt noch keine Kirchenrechnungen gefunden, mit denen man die Werke den Künstlern der damaligen Zeit eindeutig zuordnen könnte. Kunsthistoriker nennen durch Werksvergleiche Namen wie Johann Gottfried Frisch, Mathias Obermayr, Simon Hofer oder Anton Keller.

Am 18. September 1888 (Matrikel des Bistums, 1997, S. 693) wurde die Kirche neu konsekriert, denn unter Pfarrer Franz Xaver Singer war sie um acht Meter in Richtung Westen verlängert worden. Dadurch wurde allerding auch die von außen immer noch  gotische und  hoch aufragende Gesamtwirkung stark abgeschwächt. Auch die barocken Deckengemälde übermalte man entsprechend dem damaligen Zeitgeschmack.

So wurde die Pfarrkirche St. Stephanus mit großem Einsatz der Pfarrangehörigen durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder renoviert und verändert. Ihre Bedeutung als Haus Gottes und Mittelpunkt der Pfarrei hat sie über ein halbes Jahrtausend bewahrt.

Willi Goetz

Dank für Unterstützung an Dr. Dorit-Maria Krenn, Hans Neueder, Dr. Otto Schmidt, Dr. Camilla Weber

Literatur

Bugl, Josef: Ortsgeschichte von Straßkirchen, 1986

Englhard, Max Joseph: Einige historisch-statistisch-topographische Notizen über die Pfarrei  Straßkirchen, Pfarrarchiv Straßkirchen, 1830

Friedrich, Verena: Straßkirchen St. Stephanus, PEDA Kunstführer, Passau 1994

Geiger Nikolaus: Beschreibung der Pfarrei Straßkirchen, Bischöfliches Zentralarchiv Regensburg, 1860

Geisler, Hans: Das bajuwarische Gräberfeld von Straßkirchen, Lkr. Straubing-Bogen, Vorträge 12. Niederbayerischer Archäologentag, Deggendorf 1994

Gröber, Karl: Die Kunstdenkmäler von Niederbayern, Bezirksamt Straubing, München 1925

Keim, Joseph: Jahresbericht des historischen Vereins für Straubing und Umgebung, 62. Jahrgang, Straubing 1960

Krenn, Dorit-Maria: Kleine Straubinger Stadtgeschichte, Regensburg 2012

Mai, Paul: Die Pfarreienverzeichnisse des Bistums Regensburg aus dem 14. Jahrhundert, Verhandlungen des historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, 1970

Mai, Paul und weitere: Matrikel des Bistums Regensburg, 1997

Rose, Klaus: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 27 Deggendorf, 1971

Blick von Osten auf die Pfarrkirche St. Stephanus mit dem mächtigen Turm aus dem 14. Jahrhundert und dem Chor des 15. Jahrhunderts. Rechts die ältere Allerseelenkirche.

Eingang in die Sakristei mit dem gotischen Türstock und der Jubiläumsjahreszahl 1513

Beleg für "Heinreich priester von Straschürchen" aus dem Straubinger Zechsalbuch von 1375 im Stadtarchiv Straubing

Gotische Konsole eines Sakramentshauses aus Straßkirchen um 1470, heute im Gäubodenmuseum in Straubing

Heutiger Gesamteindruck des Innenraumes der Pfarrkirche St. Stephanus nach der Barockisierung im 17. und 18. Jahrhundert

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