27.06.2011
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Fronleichnam - Der "Prangertag" ein katholischer Festtag mit Tradition in Straßkirchen

Fronleichnam - Der "Prangertag" ein katholischer Festtag mit Tradition in Straßkirchen

Das Fronleichnamsfest gilt als eine typisch katholische Einrichtung.

In einer Prozession an einem Donnerstag im Frühsommer wird die Eucharistie, die konsekrierte Hostie in einer Monstranz feierlich unter Gesang und Gebet durch die Straßen getragen. An vier Stationen ("Altären") wird angehalten, das Evangelium verlesen und Fürbitten gesprochen, sowie der Segen gespendet.

1264 schreibt Papst Urban dieses Fest für die ganze abendländische Kirche vor. Der Name bedeutet Fron (=Herren) Leichnam (entgegen der modernen Bedeutung nicht toter sondern gerade umgekehrt: lebendiger Leib). Der Feiertag wurde im Hinblick auf die Einsetzung der Eucharistie durch Jesus bei der Abendmahlsfeier am Donnerstag vor Ostern auf einen Donnerstag gelegt.

Das Fronleichnamfest am Donnerstag nach dem Dreialtigkeitsfest feiert die Eucharistie als Opfer und - wegen der Realpräsenz Christi im Tabernakel - als Gegenstand der Anbetung. Die Anregung zu diesem Fest entstammt einer Vision der heiligen Augustinernonne Juliana von Lüttich (+ 1258) und wurde im Bistum Lüttich 1246 eingeführt. Am 11. August 1264 wurde Fronleichnam durch Papst Urban IV. (1261 -1264), zuvor Erzdiakon in Lüttich, als „Fest des Leibes Christi" (lat. festum corporis Christi) - im Deutschen mit dem Wort „vronlichnam", „Herrenleib" wiedergegeben - zum allgemeinen kirchlichen Fest erhoben. Den besonderen Charakter erhielt Fronleichnam durch die Prozessionen, die schon im Mittelalter die Massen in den Bann zog. Gerade die Fronleichnamsprozession versinnbildlicht gelebtes Christentum. Es ist die Heimkehr der Kinder Gottes in das Himmlische Jerusalem. Das Tagesevangelium, in dem es heißt: „Es begleitete ihn auf dem Weg das Volk in großen Scharen" (Lukas 14,25ff.) prägt den Festtag. In Gestalt der geweihten Hostie wird Christus selbst durch die Ortschaften geführt. Zu diesem Zweck entstand nicht nur die Monstranz im Kern mit einen halbmondförmiges Schiffchen, in das die Hostie eingesteckt wird, sondern auch der Baldachin, der „Tragehimmel", ursprünglich ein Herrschaftszeichen der Monarchen, wurde für kultische Zwecke übernommen. Mit großem Aufgebot und Aufwand zeigten und zeigen die Katholiken ihren Glauben. Priester und Ministranten ziehen und zogen mit Fahnen und Weihrauch, begleitet von den Honoratioren und Erstkommunikanten, Gruppen von Frauen und Männern, geordnet nach Ständen, Verbänden und Vereinen. Betend und singend begleiteten sie durch festlich geschmückte Straßen das Allerheiligste. Die Straßenränder waren durch Blumen geschmückt, in den Eingängen und Fenstern der Häuser hingen Fahnen und Teppiche. Heiligenfiguren und Kreuze werden durch Blumen Mittelpunkte des häuslichen Schmuckes. Einzelne Orte legten Blumenteppiche, über die das Allerheiligste geführt wurde. Einzelne Familien sind berühmt für ihre Kunstfertigkeit, mit der sie Blumenbilder herstellen. Besonders prächtig geschmückt waren auch die vier Stationsaltäre, an denen die Prozession anhielt - mobile Altaraufbauten vor Hofeinfahrten oder Wegkreuze. Die Prozession endet mit einem feierlichen Gottesdienst, an dem alle teilnehmen. Übrigens gibt es die Fronleichnamsprozession nicht nur für Fußgänger. Nicht nur in Bayern am Chiemsee und auf dem Staffelsee bei Murnau und auch in Norddeutschland (Köln) gibt es an Fronleichnam Schiffsprozessionen. Außer Fronleichnam heißt dieser Tag auch: Blutstag, Eucharistia, Sakramentstag,. In Bayern nannte man Fronleichnam auch ein wenig spitz Prangertag. Die Mädchen bekamen neue weiße Kleider zum „Prangen" bei der Prozession. Sie schmückten sich mit Kränzen aus segensbringenden Kräutern. War die Prozession beendet, wurde Schmalzgebackenes serviert. Prangerstauden hießen die Sträuße aus Blumen, Blättern und Zweigen an den vier Stationsaltären. Sie kamen nach der Prozession zum Palmbusch in den Herrgottwinkel oder man flocht sie in einen "Prangerkranzl", der den Kindern vor einem Altar aufgesetzt wurde. Der Kranz sollte Segen und Gesundheit bewirken. Der antike Blumenstreubrauch - heutzutage manchmal noch zu Fronleichnam zu sehen -, bei dem früher der Boden der Festgemächer zur Ehre der Gäste mit Blumen bestreut wurde, hat sich im kulturellen Gedächtnis bewahrt und findet auch bei Hochzeitsfeiern Verwendung.

Auch in Pfarrei St. Stephan, Straßkirchen war Pfarrer Michael Killermann mit vielen Gläubigen unterwegs (Bild 1)

An einem letzten Prozessionsalter in der Irlbacher Straße waren am Vortag eifrige Hände engagiert den Alter zu schmücken (Bild 2).

Die wiederaktivierte Straßkirchner Landjugend gestaltete vor dem Prozessionsalter der Familie Kaiser einen großen schönen Blumenteppich (Bild 3).

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