27.06.2011
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Hochzeitsbrauchtum feiert fröhliche Urständ

Hochzeitsbrauchtum feiert fröhliche Urständ

Genau vor einem Jahr haben sich Markus und Monika Gütlhuber das Ja-Wort gegeben. Wie es sich für die Freunde des aktiven Feuerwehrmannes und ehemaligen Sprechers des Bauwagen-Clubs gehört, wurde natürlich in der Hochzeitsnacht ein Hochzeitsbaum vor dem Haus des jungen Paares positioniert.

Der Baum wurde als Überraschung für das Brautpaar im Geheimen zusammengestellt und auch heimlich aufgerichtet. Dann war er allerdings weithin, da direkt an der Bundesstraße gelegen, zu sehen. Genau ein Jahr lang trotzte dieser traditionelle Hochzeitsbaum nun Wind und Wetter. Zur ständigen Erinnerung an den zu produzierenden Nachwuchs war also im Garten des Paares ein mit Kinderwagen, Kinderwäsche und wichtigen Babyutensilien geschmückter Hochzeitsbaum täglich deutlich sichtbar. Dieser weiß-blau-dekorierte acht Meter lange Fichtenstamm war reich verziert mit Kränzen, Girlanden und allerlei Dingen, die auf den zu erwartenden Nachwuchs anspielen. Der Baum trug eine Tafel mit einem entsprechenden Gedicht. Auf diese Weise waren die Bedingungen festgelegt, unter der er wieder umgelegt werden darf. Wenn nach einem Jahr noch kein Nachwuchs da ist, kommen die Aufsteller wieder vorbei und wollen mit Bier und Brotzeit verköstigt werden, so besagten es die mundartlichen Strophen auf dem herzförmigen Schild. Wenn nach einem Jahr kein Nachwuchs da ist, muss der Freundeskreis, der den Baum „gepflanzt“ hat, also zu einem Fest eingeladen werden, so die täglich sichtbare Warnung.

Wie erwartet kann der Brauch dem jungen Ehepaar also teuer zu stehen kommen. Der Hochzeitsbaum wurde schließlich nach einem Jahr Standzeit umgelegt und zu diesem Anlass wurde ein kleines Fest gefeiert.

Der Baum gilt als Symbol für den Anfang der Ehe. So unterschiedlich, wie die Wachstumsphasen und die Jahrringe des Baumes sind, so glaubt man wird auch die Ehe sein. Bäume gehören schon seit frühester Zeit zum Leben der Menschen. Sie treten in Geschichten und Sagen sowie an alten Kultstätten unserer Vorfahren und als Hochzeitsbaum in Erscheinung. Manchem großen, alten Baum schreiben die Menschen eine Seele zu. So erklärt sich auch, dass wir heute wieder vermehrt zu besonderen Anlässen wie einer Hochzeit einen Baum sehen und dies mit einer „kleinen andächtigen Zeremonie begleiten“.

Unter der schützenden Krone ihres “Liebesbaumes” musste das Brautpaar mit einer „Bügelsäge“ (ein altes Bügeleisen mit Sägeblatt) versuchen den Baum umzusägen, was natürlich nicht gelang. Um somit ihren Bund mit der Kraft des Baumes noch dauerhafter zu machen musste natürlich gemeinsam die Aufgabe mit anderen Mitteln erledigt werden.

Gemeinsam wurde mit Spielzeuggeräten und anderem Werkzeug die Aufgabe angegangen. Mit einem Fuchsschwanz wurde die Baumfällung schließlich geschafft. Tapfer hat sich das Paar geschlagen. Wie auch beim Junggesellenabschied, bei dem kein Auge trocken geblieben war, gestaltete sich der anschließende Abend bei Spanferkel und Bier hervorragend.

Gleichgültig, ob sich Nachwuchs einstellt oder nicht, nach einem Jahr wäre auf jeden Fall eine Brotzeit fällig gewesen. Denn wenn ein Kind die junge Familie erweitert, so hätte das „Kindsbaumumlegen“ von dem Paar ausgerichtet werden müssen.

Bericht und Bilder: Dr. Christian Hirtreiter

Fotos: Impressionen vom Umlegen des Hochzeitsbaumes

Der Hochzeitsbaum muss weg! Nach einem Jahr ist das Umlegen an der Reihe. Der Hochzeitsbaum mit allen wichtigen Dekorationsstücken verschönerte ein Jahr lang den heimischen Garten (Bild 1).

Mit der Bügelsäge (= Bügeleisen mit Sägeblatt) ist das Umschneiden nicht einfach (Bild 2)

Die Bügelsäge extra für den Hochzeitsbaum gestaltet. Ein Werkzeug welches das Umlegen des Baumes nicht einfacher macht (Bild 3).

Mit einem richtigen Schreinerwerkzeug, einem Fuchsschwanz, geht es dann doch leichter, den Baum zu fällen (Bild 4).

Geschafft! (Bild 5)

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