08.01.2014
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Spiel der Könige - eine sinvolle Art der Freizeitgestaltung

Informationsabend zum Thema "Geschichte und Bedeutung des Schachspiels"

Josef Reisbeck referierte zur Geschichte des Schachspiels

Straßkirchen: Auf Initiative des gemeindlichen Jugendbeauftragten, Christian Hirtreiter, fand am Freitag, 20. Dezember 2013, im Straßkirchner Pfarrheim ein Informationsabend zum Thema „Geschichte und Bedeutung des Schachspiels“ statt. Referent Josef Reiseck konnte hierbei fundiert die geschichtliche Entwicklung von den Anfängen bis in die Neuzeit beim Schach vorstellen.

"Schach ist eine hervorragende Möglichkeit, produktives Denken zu entwickeln und Intelligenz zu fördern, dies war schon vor Jahrhunderten bekannt", so Josef Reiseck eingangs. Vor mehr als 1500 Jahren ist Schach aus Vorformen in Indien entstanden und hat sich im Mittelalter bis nach Europa ausgebreitet. Wobei es bei uns sogar als eine der sieben ritterlichen Tugenden im Hochmittelalter zu höchster Blüte gelangte. Über die Entstehung des Schachspiels bestehen unterschiedliche Auffassungen, die unterschiedlich überliefert sind.

Reiskornlegende: Verdoppelung der Körner pro Spielfeld ist uneinlösbar

Um die Erfindung des Spiels ranken sich zahlreiche Legenden, deren berühmteste die Reiskornlegende ist. Reiseck erzählte, dass ein indischer König sein Land stark unterjochte und die Bevölkerung versuchte ihn zu besänftigen. Um seine Schwächen aufzudecken wurde ein Spiel erfunden bei dem ein König als Spielfigur ohne Hilfe anderer Figuren und Bauern nichts ausrichten kann. Das Spiel beeindruckte den König und er wurde gütiger und ließ das Schachspiel verbreiten, damit alle davon erfuhren. Um sich für die Erfindung zu bedanken, gewährte er dem weisen Mann einen freien Wunsch. Dieser wünschte sich Reiskörner: auf das erste Feld eines Schachbretts wollte er ein Korn, auf das zweite Feld das doppelte, also zwei, auf das dritte wiederum die doppelte Menge, also vier und so weiter. Der König lachte und war gleichzeitig verärgert über die vermeintliche Bescheidenheit. Die in Aussicht gestellte Belohnung konnten die königlichen Rechenmeister nicht berechnen, da bereits auf dem dreissigsten der 64 Spielfelder über eine Milliarde Körner nötig wären und am Ende ohnehin die gesamte Ernte des Königreiches nicht ausreichen würde. So gab er dem Erfinder die Auflage alle Körner einzeln nachzuzählen.

Schach als zeitlose Disziplin

Im 15. Jahrhundert veränderten sich die Spielregeln derart, dass seither vom modernen Schach, gesprochen werden kann. England (19. Jahrhundert) und Russland (20. Jahrhundert) lösten sich in der Folge als führende europäische Schachnationen ab. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu regelmäßigen Schachturnieren. Als erster offizieller Weltmeister gilt Wilhelm Steinitz aus Prag im 19. Jahrhundert. 1924 wurde der Weltschachbund gegründet. Nach dem zweiten Weltkrieg zeigte sich eine deutliche Überlegenheit der staatlich geförderten sowjetischen Schachschulen gegenüber den westlichen Schachmeistern. Der Sieg des US-Amerikaners Bobby Fischer über den Russen Boris Spasski im so genannten Match des Jahrhunderts im Jahr 1972 wurde daher in der Zeit des Kalten Krieges propagandistisch verwertet. Ende des 20. Jahrhunderts begann die Entwicklung spielstarker Schachprogramme, welche mittlerweile das Niveau der weltbesten Spieler erreicht haben. Im Rahmen der Veranstaltung konnte der Vorsitzende des Straubinger Schachclubs, Josef Reiseck, auf die schachsportliche Jugendarbeit eingehen und auch die Pflege des Schachspiels als sportliche Disziplin ausführlich erörtern. Der Wettkampfcharakter im Schachsport motiviert zudem die charakterliche Erziehung und Bildung. Reiseck ging auch auf die niederbayerische Schachtradition ein. Der Schachclub Straubing ist hier ein ausgewiesener Traditionsverein. Bereits 1884 gegründet hat er mit kurzen Unterbrechungen die Wirren der Zeit überstanden. Das Spiel der Könige wird in Bayerns Schulen immer beliebter. Fördert der Schachsport doch Fähigkeiten wie Konzentration, eine gute Beobachtungs- und Auffassungsgabe, Kombinationsvermögen und Ausdauer. Schach kann auch positive Auswirkungen auf die Schülerleistung haben. Gerade das Kräftemessen bei Turnieren sei schulartübergreifend ein besonderer Motivator. Studien beweisen sogar, wie sich das kontinuierliche Schachspielen auf Konzentrationsfähigkeit, Intelligenz, Rechtschreibfähigkeit und die Fähigkeit der Kinder auswirkt, sich in der Schule zu integrieren. In verschiedenen Ländern wird der Denksport gerade in den Ganztagsschulen und durch schulübergreifende Turniere gefördert. Auch für Erwachsene und Senioren ist Schach eine gute Möglichkeit gemeinschaftlich die Freizeit sinnvoll zu gestalten, daher initiierte der gemeindliche Jugendbeauftragte Christian Hirtreiter dieses Treffen um die Straßkirchner Schachtradition zu beleben.

Am 17. Januar 2014 referiert Martin Schaller zum "Endspiel" beim Schach im Pfarrheim St. Stephan. Es wird im Februar 2014 ein weiterer offener Informations- und Trainingsabend mit Josef Reiseck zum Thema „Turmdiplom im Schachspiel“ mit anschließendem Schachspielabend für aktive Spieler in Straßkirchen angeboten.

Bericht und Bild: Dr. Christian Hirtreiter

Josef Reiseck wies auch auf die Verbindung von Kunst und Schach hin: der leider zu früh verstorbene Straubinger Schachmeister Josef Böck hatte sich neben seinen Sporterfolgen auch künstlerisch dem Schach gewidmet. Ein aus Hartwerkstoff mit Kupferplatten gefertigtes kunstvolles Schachbrett diente als Beispielsobjekt. Im Bild mit Josef Reiseck (links) und Jugendbeauftragtem Christian Hirtreiter (rechts).

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