19.10.2016
1 Bewertungen Rating
Schriftgröße

Was Frauen bewegt - KDFB und FU laden zu einer informativen Teestunde

Im herbstlich dekorierten Pfarrsaal trafen sich interessierte Frauen, um sich bei Tee und Gebäck über gesellschaftspolitischen Themen zu informieren.

„Kommunalpolitik bewegt mich“, ein Satz, den Barbara Unger bewusst mehrdeutig interpretiert. So ist sie auf der einen Seite ständig unterwegs, also in Bewegung, gleichzeitig ist die Kommunalpolitik aber auch Motivation für ihre vielfältigen Tätigkeitsfelder, unter anderem als Bürgermeisterin und stellvertretende Landrätin.

Eher zufällig und zuerst ungeplant sei sie in die Kommunalpolitik eingestiegen, so kommentierte Frau Unger ihren Weg zur Politik.  Sie sprach aber auch die Probleme und Hindernisse auf diesem Weg an, vor allem solche, denen speziell Frauen gegenüberstehen. So sind es zum einen Ressentiments à la „Eine Frau kann das nicht schaffen!“, aber auch das Denken - von Wählerinnen und Wählern - , dass sich eine Frau zuerst um die Familie kümmern sollte und nicht um Politik.

Trotz dieser Widerstände hat es Frau Unger aber zur Bürgermeisterin von Feldkirchen und zur stellvertretenden Landrätin geschafft, eine Leistung die umso höher einzuschätzen ist, wenn man sich die Zahlen ansieht. So gibt es bayernweit nur 176 weibliche Bürgermeister (von 2028), im Landkreis Straubing-Bogen sogar nur 2 von 37. Diese niedrige Quote lässt sich auf viele politische Ehrenämter ausweiten. Überall sind Frauen, die ja mehr als 50 % der Bevölkerung stellen, deutlich unterrepräsentiert. In diesem Zusammenhang wurde auch der Sinn einer Quote für Frauen in der Politik diskutiert, wobei es hier gegensätzliche Gesichtspunkte gibt, die alle für sich genommen gut sind. Letztendlich aber müssen Frauen durch ihre Leistung überzeugen, vielleicht noch mehr als Männer. Deshalb hat Frau Unger als stellvertretende Landrätin auch ein Netzwerk für Gemeinderätinnen geschaffen, das diesen Wissen und Selbstvertrauen geben soll, um Gemeindepolitik aktiv mitgestalten zu können.

Abschließend appellierte Frau Unger an alle anwesenden Frauen, die Unterrepräsentanz auf eine einfache Art zu lösen, indem Frauen vor allem verstärkt Frauen wählen, unabhängig von Parteipolitik.

Zu einem ganz anderen Thema referierte Anneliese Weichselgartner, nämlich von ihrer Arbeit im Frauenhaus Straubing. Bevor durch hartnäckige private Initiative das Frauenhaus 1995 entstand, war von öffentlicher Seite kein Bedarf im ländlichen Raum gesehen. Dies hat sich allerdings stark verändert, so dass die Räumlichkeiten im Frauenhaus zu fast 100% ausgelastet sind und Frauen manchmal sogar auf andere Städte verteilt werden müssen. Dies liegt aber nicht an einer zunehmenden häuslichen Gewalt, sondern an der Tatsache, dass Frauen nicht mehr so leicht bereit sind, alles zu ertragen bzw. das Gefühl haben, Gewalt ertragen zu müssen. Dabei spiegeln die Frauen, die sich an das Frauenhaus wenden, die gesamte Breite der Gesellschaft wider.

Eine Definition von Gewalt ist nicht so einfach, da jede Frau eine andere Toleranzgrenze hat und Gewalt nicht nur körperliche Gewalt einschließt. Damit eine Frau jederzeit eine Ansprechpartnerin hat, gibt es eine Rufbereitschaft, wo Ehrenamtliche rund um die Uhr Telefondienst haben. Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses beraten und begleiten die Frauen und gegebenenfalls auch ihre Kinder dabei, ein neues Leben und eine neue Existenz aufzubauen. Ein Aufenthalt im Frauenhaus, dessen Adresse geheim ist, dauert in der Regel 6-12 Wochen.

Einen Ausblick auf die zukünftige Arbeitswelt, die sogenannte Arbeit 4.0, präsentierte Brigitte Tarras. Darunter versteht man z.B. eine hochautomatisierte und vernetzte industrielle Produktions- und Logistikkette, oder Roboter als Chirurgen, fahrerlose Autos. Dass diese neue Welt aber nicht nur Vorteile bringt, wurde auch daran klar, dass nun lebenslanges Lernen und Weiterbildung wichtig sind. Dies kann gerade für Mütter, die nach längeren Erziehungszeiten wieder zurück in den Beruf wollen, ein Problem darstellen, da sie sich in neue Technologien wieder einarbeiten müssen. Allerdings bietet Arbeit 4.0 auch eine Chance gerade für Mütter, wenn ein Teil der Arbeit von zu Hause, dem Home Office, erledigt werden kann.

Dass das Interesse der Zuhörerinnen zu allen Themen hoch war, erkannte man auch an der regen Diskussion nach den Vorträgen. Autorin: Claudia Leutschafft


Bericht und Bild: Frau Leutschafft


stellv. Landrätin Barbara Unger (links) und Anneliese Weichselgartner

Ist dieser Artikel für Sie hilfreich?